Fehlbildung mit Gewebedefekt im Bereich der Vorhofscheidewand
Unterteilung nach Lokalisation:
ASD vom Secundum-Typ (ASD II)
Foramen ovale-Defekt (patent foramen ovale = PFO)
Foramen secundum-Defekt
Sinus-venosus-Defekt
immer kombiniert mit Lungenvenenfehlmündung
Pseudofehlmündung der rechten Lungenvene
Koronarsinusdefekt
[ASD vom Primum-Typ (ASD I)]
Die Vorhofscheidewand (Vorhofseptum) trennt den linken vom rechten Vorhof (Atrium).
Mit dem Begriff Vorhofseptumdefekt (atrial septal defect = ASD) wird eine ganze Reihe von unterschiedlichen Fehlbildungen des Vorhofseptums mit fehlendem Gewebe (“Loch”, Lückenbildung) bezeichnet (siehe Auflistung links).
Da sie sich hinsichtlich ihrer Auswirkungen prinzipiell nicht unterscheiden, wird hier am Beispiel des ASD vom Secundum-Typ (ASD II), mit über 80 % der häufigste Vorhofseptumdefekt, diese angeborene Herzfehlbildung ausführlicher dargestellt.
Der Ostium primum-Defekt (ASD I) wird den Atrioventrikularseptumdefekten zugerechnet und ist hier nur der Vollständigkeit wegen aufgeführt.
Von Leonardo da Vinci stammt die erste Zeichnung eines Vorhofseptumdefektes bei einem Leichnam. 1875 hat der Pathologe Carl Freiherr von Rokitansky (1804 - 1878) diese Fehlbildung erstmals vollständig beschrieben.
PFO
PFO = patent foramen ovale = offenes Foramen ovale
Fossa ovalis = flache, ovale Vertiefung in der rechten Seite der Vorhofscheidewand an der Stelle des fetalen Foramen ovale; versehen mit einem niedrigen Randwall
Bei ungefähr einem Drittel aller Kinder bleibt das Foramen ovale offen (engl. = patent). Es findet sich somit eine zentrale Öffnung des Vorhofseptums im Bereich der Fossa ovalis (daher auch Fossa ovalis-Defekt genannt).
ASD II
Defekt vom Secundum-Typ, z. T. mit Fehlen der hinteren Begrenzung der Fossa ovalis
Beim ebenfalls in der Mitte des Vorhofseptums gelegenen ASD II im engeren Sinn fehlt die seitliche Begrenzung der Fossa ovalis.
Pseudotransposition von Lungenvenen
Bei sehr großen Defekten kann eine sog. Pseudotransposition der Lungenvenenmündung vorliegen, d. h. die Mündung der anatomisch korrekt in den linken Vorhof mündenden Lungenvenen werden durch den großen Defekt sichtbar und liegen so anscheinend im rechten Vorhof.
Meistens ohne oder nur mit geringen Beschwerden
Häufigster im Erwachsenenalter diagnostizierter angeborener Herzfehler
Geschlechterverteilung ASD:
Mädchen zu Jungen = 1,5-2,5 zu 1
Mit zunehmenden Alter:
Zunahme von Herzrhythmusstörungen
evtl. Entwicklung einer pulmonalen Hypertonie
Bei sehr großen Defekten evtl. Herzinsuffizienz bei ausgeprägtem Links-Rechts-Shunt
evtl. Ermüdbarkeit
Belastungsdyspnoe
Infektanfälligkeit
Gefahr der paradoxen Embolie
Auftreten eines ASD bei einer Vielzahl von angeborenen Herzfehlern
Symptomatik des assoziierten Herzfehlers führend
Aufgrund der fehlenden oder nur gering ausgeprägten Symptomatik bei den meisten Säuglingen und vielen Kindern steht der Vorhofseptumdefekt an erster Stelle der erst im Erwachsenenalter diagnostizierten angeborenen Herzfehler.
Mit steigendem Alter nehmen Herzrhythmusstörungen und die pulmonale Hypertonie (Lungenhochdruck) an Häufigkeit zu.
Abhängig von der Größe des Defekts und von den herrschenden Druckverhältnissen kommt es zu einem mehr oder minder ausgeprägten Links-Rechts-Shunt (= Blutübertritt vom linken in den rechten Vorhof), der sehr selten bereits im Säuglingsalter zu einer Herzinsuffizienz führen kann.
Herzinsuffizienz = Herzschwäche
Große Defekte gehen meist mit klinischen Symptomen einher, wie z. B. rasche Ermüdbarkeit, Dyspnoe (= Atemnot) bei Belastung und auch eine vermehrte Infektanfälligkeit.
Als Folge des Links-Rechts-Shunt kommt es zur Volumenbelastung des rechten Vorhofes und Ventrikels und nachfolgend zur Volumenbelastung der Lungengefäßbahn, des linken Vorhofes und linken Ventrikels.
Generell besteht beim ASD die Gefahr einer sogenannten "paradoxen Embolie": Bei kurzfristiger Druckerhöhung im rechten Herzen durch z. B. heftiges Niesen, Husten oder Pressen mit schlagartig ansteigendem zentralvenösen Druck kann ein Thrombus (= Blutgerinnsel) aus dem venösen System (z. B. aus den tiefen Beinvenen) über den ASD nach links in das arterielle System gelangen und nachfolgend einen Verschluss einer weiter stromabwärts gelegenen Arterie verursachen (= arterielle Embolie). Diese paradoxe oder gekreuzte Embolie kann sich z. B. als Herzinfarkt oder Schlaganfall manifestieren (bemerkbar machen).
Vorhofseptumdefekte treten bei einer Vielzahl von angeborene Herzfehlern auf, die dann in der Regel die hämodynamisch führende Fehlbildung darstellen.
Auskultation
Systolikum
EKG
AV-Knotenrhythmus
AV-Block I°
Vorhofflattern
Zeichen der Rechtsherzbelastung
Echokardiographie
Darstellung des ASD
Röntgen-Thorax
evtl. mäßige Kardiomegalie
vermehrte Lungengefäßzeichnung
Herzkatheteruntersuchung
Diagnose von Begleitvitien
invasive Druckmessung bei pulmonaler Hypertonie
evtl. ASD-Verschluss
Auskultation = diagnostisches Abhorchen von Organen (z. B. von Herz oder Lunge) auf Schallphänomene
Systolikum = Herzgeräusch in der Kontraktionsphase des Herzens (= Blutauswurfphase = Systole)
Das Systolikum entsteht durch die relative Pulmonalstenose, d. h. durch die im Verhältnis zu dem vermehrt durchströmenden Blutvolumen relativ zu enge Pulmonalklappenöffnung, ohne das eine morphologische Verengung (= Stenose) vorliegt.
EKG = Elektrokardiographie, Aufzeichnung der elektrischen Herzströme
Im EKG finden sich häufig Herzrhythmusstörungen auf Vorhofebene und Zeichen einer Rechtsherzbelastung.
Echokardiographie = Ultraschalluntersuchung des Herzens
In der Röntgenaufnahme des Thorax (= Brustkorb) kann sich evtl. eine mäßige Kardiomegalie (Herzvergrößerung) und eine vermehrte Lungengefäßzeichnung als Ausdruck der vermehrten Lungendurchblutung zeigen.
Die Herzkatheteruntersuchung hat ihre Berechtigung in der Diagnose von begleitenden Herzfehlern (kongenitale Vitien) bei entsprechendem Verdacht sowie bei Vorliegen einer pulmonalen Hypertonie zur invasiven Druckmessung. Im Rahmen einer Herzkatheterintervention kann je nach Größe und Lokalisation versucht werden, den ASD mit speziellen Systemen zu verschließen.
invasiv = eindringend
Bei Herzinsuffizienz
Konservativ
Medikamentöse Behandlung
Eine medikamentöse Therapie ist nur bei Vorliegen einer Herzinsuffizienz angezeigt (s. a. Herzinsuffizienztherapie).
Nach Beherrschung der Akutsituation ist ein ASD-Verschluss (interventionell oder operativ) indiziert (angezeigt).
ASD-Verschluss
Interventionell
Herzkatheterintervention
spezielle Verschluss-Systeme (Occluder)
Der Verschluss des ASD kann auf verschiedenen Wegen erfolgen.
Im Rahmen einer Herzkatheterintervention (Herzkathetereingriff) kann in Abhängigkeit von Größe und Lage des Defektes versucht werden, diesen mit speziellen Verschluss-Systemen (z. B. Doppel-Schirmchen, sog. Occluder) zu verschließen.
Operativ, verschiedene OP-Verfahren
Perikardpatch
Kunststoffpatch
Gelingt dies nicht bzw. kommt ein interventioneller Verschluss aufgrund der ungünstigen Anatomie des ASD nicht in Frage, wird der ASD operativ verschlossen.
Je nach Größe wird er durch eine Naht direkt verschlossen (= Direktverschluss) oder mit Hilfe eines sog. Patch (= Flicken) aus Perikard (= Herzbeutelgewebe) oder Kunststoff (z. B. Dacron oder PTFE) (Patchverschluss), s. a. Kapitel Patch in diesem Online-Kurzlehrbuch.
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