Ausflussbahnbehinderung des linken Ventrikels
Unterscheidung je nach Lokalisation (Angabe der Häufigkeit):
Valvuläre AS (75 - 80 %)
Subvalvuläre AS (15 - 20 %)
Supravalvuläre AS (< 5 %)
Die Obstruktion (= Flussbehinderung durch Einengung) im Bereich des Ausflusstraktes des linken Ventrikels (LVOT) wird als Aortenstenose bezeichnet.
LVOTO = left ventricular outflow tract obstruction = linksventrikuläre Ausflusstraktobstruktion
Die Aortenstenose wird entsprechend der Lokalisation der Verengung in valvuläre, sub- und supravalvuläre Aortenstenosen eingeteilt.
valvulär = die Klappe betreffend, auf Klappenebene
subvalvulär = unterhalb der Klappe
supravalvulär = oberhalb der Klappe
Anomalien der Aortenklappe zählen zu den häufigsten angeborenen Herzfehlern.
Valvuläre AS
Aortenklappe:
Klappenanulus z. T. verengt
Geschlechterverteilung:
Mädchen zu Jungen = 1 zu 3-5
Bei der valvulären Aortenstenose finden sich häufig verdickte Klappensegel und Verschmelzungen der Ränder (= Kommisssuren) im Bereich des Klappenanulus (= Klappenring).
Durch eine ausgeprägte Verschmelzung kann die normalerweise trikuspid (= dreizipflig) angelegte Klappe zu einer bikuspiden (= zweizipfligen) oder sogar monokuspiden (= einzipfligen) Klappe werden.
Bikuspide AK
Die bikuspide (= zweizipflige) Aortenklappe ist ohne Stenosierung asymptomatisch.
Aufgrund des hohen Endokarditisrisiko ist eine frühzeitige Diagnosestellung für die Einleitung einer konsequenten Endokarditisprophylaxe wichtig.
Endokarditis = Entzündung der Herzinnenhaut
Prophylaxe = Vorbeugung
Die bikuspide Aortenklappe findet sich häufig mit anderen Begleiterkrankungen, wie z. B. der Aortenisthmusstenose oder dem Ullrich-Turner-(XO)-Syndrom (= genetisches Fehlbildungssyndrom).
Subvalvuläre AS
Einengung durch Membran:
Fibromuskuläre Einengung:
HOCM:
muskuläre Obstruktion durch asymmetrische Verdickung des Septums
Durch eine asymmetrische Hypertrophie des Septums kommt es bei der hypertrophischen obstruktiven Kardiomyopathie (HOCM) zur funktionellen muskulären subvalvulären Aortenstenose (auch Subaortenstenose genannt).
Supravalvuläre AS
Häufig (30 - 50 %) mit Williams-Beuren-Syndrom
Einengung der Aorta ascendens oberhalb der Aortenklappe
3 Grundformen (mit Übergängen)
Die Einengung der Aorta ascendens (= vom Herzen aufsteigende Hauptschlagader) oberhalb der Aortenklappe wird als supravalvuläre Aortenstenose (svAS) bezeichnet.
Sie findet sich sehr häufig in Kombination mit dem Williams-Beuren-Syndrom (= u. a. geistige Behinderung, typischem "Elfen"-Gesicht, Schielen, Gebißanomalien).
Man unterscheidet 3 Grundformen, wobei die Übergänge fließend sein können.
Die komplexen linksventrikulären Ausflussbahnobstruktionen (LVOTO) sind seltene, angeborene oder erworbene, morphologische Veränderungen, die den subvalvulären, valvulären, supravalvulären Abschnitt oder eine Kombination von 2 oder mehr Etagen dieser Region betreffen.
Pathophysiologie der AS
Die Aortenstenose (AS) stellt eine Druckbelastung für den linken Ventrikel (LV) dar, da er einen höheren Druck aufbringen muss, um das Flusshindernis zu überwinden.
Aufgrund der Druckbelastung kommt es kompensatorisch zu einer linksventrikulären Hypertrophie (= Zunahme der Muskelmasse durch Größenzunahme der Muskelzellen).
Durch den Stenose-Jet (= Preßstrahl durch die Verengung) kann es zu einer poststenotischen Aortendilatation (= Erweiterung der Hauptschlagader jenseits der Verengung) kommen.
Abhängig vom Stenosegrad
Meist lange Zeit asymptomatisch
Normale Entwicklung
häufig Symptome erst nach dem 10. Lebensjahr:
Symptome unmittelbar postpartal
Ödeme
Hepatomegalie
beginnendes Lungenödem
Die Kinder mit Aortenstenose sind sehr häufig lange Zeit asymptomatisch (= ohne Krankheitszeichen). 95 % der älteren Kinder durchlaufen eine normale körperliche Entwicklung.
Häufig erst ab dem 10. Lebensjahr kommt es zu Symptomen, wie z. B. zunehmende Ermüdbarkeit, Angina pectoris-Beschwerden oder auch Synkopen.
Angina pectoris = (schmerzhaftes) Brustengegefühl
Synkope = anfallsartige, kurzzeitige Bewusstlosigkeit (Ohnmacht) in Folge Minderdurchblutung des Gehirns
Die kritische Aortenstenose des Neugeborenen und Säuglings äußert sich schon unmittelbar postpartal (= nach der Geburt) mit allgemeinen Symptomen, wie Trinkschwäche und Gedeihstörung, und kardialen (= das Herz betreffend) Symptomen als Folge der Herzinsuffizienz (= Herzschwäche), wie Ödeme (= Wasseransammlung im Gewebe), Hepatomegalie (= Lebervergrößerung) und beginnendes Lungenödem (= Wasseransammlung in der Lunge).
Klinik
EKG
Echokardiographie
Röntgen-Thorax
Herzkatheteruntersuchung
Bei der körperlichen Untersuchung fällt ein hebender Herzspitzenstoß (= tastbares Pulsieren im Bereich der Herzspitze) sowie ein raues Systolikum (= Herzgeräusch in der Systole) auf.
EKG = Elektrokardiographie, Aufzeichnung der elektrischen Herzströme
Echokardiographie = Ultraschalluntersuchung des Herzens
Im Rahmen der Echokardiographie kann die Aortenklappe beurteilt und der Druckgradient (= Druckunterschied) bestimmt werden.
Die Röntgenaufnahme des Thorax (= Brustkorb) zeigt eventuell eine Aortendilatation (= Erweiterung der Aorta).
Kritische AS:
Interventionell
Operativ
Die zeitlich begrenzte Notfalltherapie bei der kritischen Aortenstenose besteht in der Gabe von Prostaglandinen zur Verbesserung der Systemdurchblutung über einen offen zu haltenden Ductus arteriosus sowie Digitalisglykoside und Katecholamine zur Kreislaufunterstützung beim kritisch kranken Neugeborenen (s. a. Herzinsuffizienztherapie). Bei eingetretenem Lungenödem muss eventuell eine maschinelle Beatmung durchgeführt werden.
Im Rahmen einer Herzkatheterintervention kann versucht werden, die verengte Aortenklappe durch Aufblasen eines Ballons (an der Spitze eines Herzkatheters) aufzudehnen (= Dilatation).
Gelingt dies nicht oder ist eine Ballonaufdehnung nicht indiziert (= angezeigt), so muss im Rahmen einer Herzoperation die kritische Verengung der Aortenklappe beseitigt werden. Es wird dann eine Kommissurotomie (= Durchtrennung der verschmolzenen Klappenränder mit dem Skalpell) durchgeführt.
Abhängig vom Befund:
Abhängig von Art und Lokalisation der Aortenstenose bzw. der linksventrikulären Ausflusstraktobstruktion (LVOTO) kommen verschieden Operationsverfahren zum Einsatz.
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